Was ist Palliative Care?

Mehr als 80 % der Menschen in der Schweiz sterben nicht über­raschend, sondern nach schwerer Krankheit. Das heisst, fast jede(r) von uns wird im Laufe des Lebens mit einer lebens­bedroh­lichen Krankheit konfrontiert.

Für wen ist Palliative Care?

Sind die Heilungschancen gering, wird Palliative Care wichtig. Sie trägt zu einer möglichst hohen Lebensqualität bei, auch wenn die Patientin oder der Patient nie mehr gesund wird. Palliative Care ist bereits ab der Diagnose wichtig und kann mehrere Jahre lang zu einer besseren Lebensqualität beitragen – palliativ bedeutet also nicht, dass das Lebensende kurz bevorsteht.

Welche Unterstützung erhalten palliative Patientinnen und Patienten?

Beschwerden lindern

Palliative Care-Fachpersonen helfen, medizinische, psychologische, soziale und spirituelle Probleme zu lösen. Palliative Care hilft bei Beschwerden wie Schmerzen, Atemnot oder Übelkeit. Aber auch bei Angst, bei familiären Konflikten, bei einer unpassenden Wohnsituation oder spiritueller Not.

Für eine gute palliative Versorgung arbeiten Fachpersonen verschiedener Bereiche zusammen: Medizin, Pflege, Betreuung, Psychotherapie, Soziale Arbeit, Seelsorge, Physiotherapie, Ergotherapie, Komplementärtherapien und viele weitere mehr.

Entscheidungen treffen

Palliative Care-Fachpersonen helfen Patientinnen und Patienten folgende Fragen zu beantworten: 

  • Was ist mir heute in meinem Leben wichtig?
  • Wie und wo erhalte ich die passende Unterstützung?
  • Wo bin ich im Verlauf der Krankheit am besten aufgehoben, zuhause oder in einer Institution?
  • Welche Therapien will ich?
  • Was ist mir während meiner verbleibenden Lebenszeit wichtig und wie kann ich mir diese Wünsche erfüllen?
  • Wie sollen sich Angehörige und Fachpersonen verhalten, sollte ich nicht mehr ansprechbar sein? 
  • Was ist mir am Lebensende wichtig?
  • Wie möchte ich sterben?

Betreuungsnetz aufbauen

Ein solides Netz aus Freund:innen, Familien und Bekannten ist in allen Lebenslagen wertvoll. Nach einer schweren Diagnose ganz besonders. Damit es einer schwerkranken Person möglichst gut geht, braucht es manchmal das ganze Umfeld: Kinder, Partnerin oder Partner, Eltern, aber auch Freundinnen und Freunde oder Nachbar:innen helfen mit, je nach Konstellation und Möglichkeiten. Wenn die Patientin oder der Patient möglichst lange zuhause leben möchte, ist Unterstützung aus dem Umfeld besonders wichtig.

Manchmal sind viele Fachpersonen im Alltag präsent: Zum Beispiel die Spitex, ein Fahrdienst, die Hausärztin eine Psychoonkologin oder ein Psychoonkologe, eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger und viele weitere.

Auch ehrenamtliche Begleitpersonen können eine wichtige Stütze sein. Sie besuchen die betroffene Person zu Hause oder im Altersheim und halten vielleicht sogar Nachtwache.

Das passende Angebot finden 

Wann ist es Zeit für Palliative Care?

Bei einer Krankheit mit schlechter Prognose und geringen Überlebenschancen macht es Sinn, Palliative Care von Anfang an miteinzubeziehen. Denn palliative Versorgung bedeutet nicht, dass «nichts mehr getan wird». Der Fokus der Therapien liegt allerdings auf der Linderung von Beschwerden, nicht mehr auf dem Kampf gegen die Krankheit.

Wird Palliative Care von der Krankenkasse bezahlt?

Die obligatorische Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt grundsätzlich nur für medizinische Massnahmen. Zusatzversicherungen übernehmen weitere Leistungen.

Bei einer lebensbedrohlichen, fortschreitenden Krankheit benötigen manche Patientinnen und Patienten weitere Hilfe: Patiententransporte, Komplementäre Therapien, spirituelle Unterstützung, Hilfe im Haushalt, Pflege zu Hause oder im Heim, Hilfe bei der Kinderbetreuung etc.

Lesen Sie hier nach, wie Palliative Care-Angebote finanziert werden.

Wer trägt die Kosten

Wer hilft bei einer lebens­limitierenden Krankheit?

Palliative Patientinnen und Patienten erhalten von denselben Stellen Hilfe und Unterstützung, wie alle anderen Patient:innen. Zum Beispiel In der Hausarztpraxis, von der Spitex, im Spital, im Alters- und Pflegeheim, in der Psycho-, Physio- oder Ergotherapie, in der Logopädie oder von der Seelsorge.

Für Menschen, die auf sehr viel Unterstützung angewiesen sind, gibt es spezialisierte Angebote: 

  • Im Hospiz werden Menschen in den letzten Wochen vor dem Lebensende betreut und behandelt. 
  • Auf der Palliativstation im Spital wird der Gesundheitszustand stabilisiert, damit die Patientin oder der Patient wieder nach Hause oder zurück ins Pflegeheim kann.
  • In spezialisierten Pflegeheimen sind Patientinnen und Patienten mit komplexen Symptomen langfristig gut aufgehoben. 
  • Die PalliativeSpitex kümmert sich um schwerkranke Menschen zuhause. Sie wird in instabilen und komplexen Krankheitssituationen beigezogen. Sie unterstützt die Betroffenen, das Umfeld und alle involvierten Fachpersonen. Wenn gewünscht, hilft die PalliativeSpitex bis zum Tod.

Unterstützung finden

Ist Palliative Care das gleiche wie Sterbehilfe?

Das Ziel der Palliative Care ist es, dass schwerkranke Menschen so gut umsorgt sind, dass sie nicht das Bedürfnis haben, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Palliative-Care-Fachpersonen respektieren allerdings den Wunsch von Patientinnen und Patienten, Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen.

Über den Tod nachzudenken, bringt uns nicht um

Unsere Leben werden irgendwann enden. Wann ist ein guter Zeitpunkt, über den Tod nachzudenken? Jetzt!

Zum Beispiel bei einer Folge des Podcasts Das letzte Stündchen: Elena Ibello spricht mit ihren Gästen offen und empathisch über den Tod – und damit vor allem über das Leben.

Wer sich in guter Gesellschaft mit dem Sterben auseinandersetzen will, ist herzlich eingeladen an ein Treffen des Café Totentanz in Aarau oder an eine Veranstaltung des Café Goodbye in Brugg.

Veranstaltungen zum Thema Palliative Care

Illustration eines Menschen mit Fernrohr, der oder die den Sonnenauf- oder untergang beobachtet.

Neue Website von palliative aargau

Seit dem ersten Mai finden Sie auf unserer Website eine umfassende Angebots-Übersicht zum Thema Palliative Care.

Aarau Kurse und Lehrgänge

A2 Basiskurs in Palliative und Spiritual Care

18. März bis 16. September 2026 Aargauer Landeskirchen

Die Daten für die Fallbesprechungen 2026 sind bekannt!

Auch dieses Jahr werden wieder komplexe Fälle von interprofessionellen Teams vorgestellt.